Februar 2026
Seit mindestens zwei Jahrzehnten wiederhole ich jedes Jahr rund um die Feiertage oder Anfang Januar eine Inventur in meinem Haushalt: Ich räume alle Lebensmittel aus den Schränken, sichte das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) und alles, was bereits abgelaufen ist oder bis April des neuen Jahres ablaufen wird, kommt in einen großen Korb, der mitten in der Küche direkt in meinem Sichtfeld steht, und zwar so lange, bis er irgendwann leer ist. Zutaten im Kühlschrank und im Tiefkühlschrank, die ebenfalls weg sollten, werden auf eine Liste geschrieben, die dort hängt, wo mein wöchentlicher Kochplan erstellt wird.

Von nun an koche ich gehäuft Gerichte, in denen mindestens eine dieser Zutaten vorkommt; häufig sind es auch mehrere. In der Regel dauert es bis April, dann sind die Sachen weg.
Dieses Vorgehen hilft mir seit langem, die Lebensmittelabfälle in unserem Haushalt sehr gering zu halten. Natürlich passiert es auch mir, dass eine Zitrone schnell verschimmelt, obwohl ich sie erst vor einigen Tagen gekauft habe, eine Zwiebel ist faul oder eine abgelaufene Zutat aus dem Kühlschrank riecht eindeutig verdorben. Insgesamt jedoch sind unsere Lebensmittelabfälle sehr, sehr gering. Es ist ja inzwischen weitläufig bekannt, dass pro Person in Deutschland ca. 80 Kilogramm Lebensmittel pro Jahr verschwendet, also weggeschmissen werden. Ich kann mit Gewissheit sagen, dass dies bei uns nicht passiert und dass wir allenfalls einen winzigen Bruchteil in den Müll werfen müssen.
Meine oben geschilderte Praxis hat viele Vorteile:
- Lebensmittelverschwendung wird verhindert.
- Wir sparen viel Geld.
- Diese Art des Kochens zwingt zur Kreativität und es tut immer gut, etwas Neues auszuprobieren.
- Man lernt mit der Zeit, welche Lebensmittel schon häufig im Korb waren und kauft weniger davon.
- Die Wertschätzung für Lebensmittel steigt.
- Mit der Zeit stellt man fest, dass insbesondere Fertigprodukte wie Saucen besonders lange im Kühlschrank verbleiben und kauft diese nicht mehr, sondern stellt sie lieber in kleinen Mengen selbst her; das verbessert die Qualität des Essens.
- Da Getreideprodukte schnell ranzig werden, landen diese häufig im Korb und ich verarbeite diese zu den wildesten Broten. Damit wird auch die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln vielfältiger.
Praktische Anleitung zur Lebensmittelinventur [Hier klicken]
- Alle Vorräte im Vorratsschrank und in der Vorratskammer aus dem Regal oder den Schränken nehmen und diese bei dieser Gelegenheit mit Essigreiniger reinigen und gut trocknen lassen. Währenddessen jede einzelne Verpackung nach dem MHD absuchen und bereits Abgelaufenes oder in den nächsten vier Monaten Ablaufendes in einen Korb geben.
- Die Gewürzschublade nach demselben System durchsehen und gemahlene Gewürze in den Korb geben. Bei Gewürzkörnern bin ich nicht so strikt mit dem MHD, diese halten noch lange über das Datum hinaus und haben dann auch noch ihre Würzkraft.
- Kühlschrank ebenso leeren und reinigen und alle Zutaten, die aufgebraucht werden sollen, auf eine Liste schreiben.
- Mit dem Tiefkühlschrank ebenso verfahren. Hier hat man es deutlich leichter, wenn es für den Tiefkühler bereits eine konstant gepflegte Inventarliste gibt (was ich dringend empfehle!); dann braucht man nur noch markieren, was weg soll.
- Wenn Korb und Listen fertig sind, dann sammele ich auf einer weiteren Liste meine Ideen für Gerichte, die ich aus den Zutaten kochen könnte.
- Wenn der wöchentliche Kochplan erstellt wird, orientiere ich mich an dieser Vorschlagsliste und schaue auch immer wieder in den Korb und lasse mich inspirieren.
- Ein Wochenplan im Januar kann dann z.B. so aussehen: Montag gibt es einen Eintopf mit Dinkel und weißen Bohnen (Dinkel über MHD, Brühe und ein Glas püriertes Gemüse aus dem Tiefkühler, ebenso ein großes Glas gekochte weiße Bohnen); Dienstag gegrilltes Hähnchen mit Chutney, Basmatireis und Endiviensalat mit Zwiebelpickles und Sesam (Chutney mache ich ganzjährig aus Resteobst- und Gemüse, Zwiebelpickles sind schon lange im Kühlschrank und müssen weg, Sesam über MHD); Mittwoch Pasta mit Speck und Flower Sprouts und Parmesan (Speck war beim weihnachtlichen Kochen übrig geblieben und liegt seitdem im Tiefkühler); Donnerstag ein Kichererbsen-Spinat-Curry mit Naanbrot (Naanbrot habe ich mal im indischen Laden gekauft und dann doch nicht gebraucht, jetzt ist es am MHD); Freitag ein iranisches Kuku mit Grünkohl und Berberitzen, dazu Basmati und Rote Bete-Joghurt (Kichererbsenmehl für das Kuku ist über MHD, die Berberitzen sind auch schon sehr lang im Kühlschrank); Samstag Frikadellen mit Rotkohl und Kartoffelstampf (in die Frikadellen kommt sehr viel von meinen Brotbröseln aus Altbrot und der Rotkohl ist Weihnachten übrig geblieben und soll vor dem Frühling weg) und am Sonntag Quesadillas mit schwarzen Bohnen, Käse und Chili mit einem mexikanischen Weißkohlsalat (Tortillas laufen bald ab, in die Bohnenpaste kommen Chilis aus dem Glas über MHD). Außerdem kommt auf die Liste für diese Woche: ein Hirse-Roggen-Brot (Hirse ist über MHD), ein Kürbis-Sesam-Brot (Kürbispüree wartet in der Tiefkühle und Sesam ist über MHD) und ein Leinsamen-Vollkorndinkel-Brot (Leinsamen ist bald fällig und Vollkornmehl wird sehr schnell ranzig) und Johannisbeermarmelade (wir hatten im Sommer eine Johannisbeerschwemme und ich habe sehr viele eingefroren). Natürlich erstelle ich auch während des restlichen Jahres meine Kochpläne unter dem Aspekt „Was muss weg“, aber eben nicht so konsequent und systematisch wie am Jahresanfang.
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