Weniger Müll, mehr Leben

Gute Küchenwirtschaft

Ich erlebe häufig, dass Menschen über das tägliche Kochen klagen. Ich verstehe das gut, denn ein Vollzeitjob mit Dienstreisen lässt oft wenig Zeit für selbst gekochtes Essen ohne Convenience-Produkte. Trotzdem kann es gut gelingen, man muss wollen. Pauschal lässt sich nicht beantworten, wie es gelingen kann, das muss jede*r in das eigene Leben einplanen oder priorisieren. Ich kann nur erklären, wie ich es halte.

Meine Kriterien für eine gute Küchenwirtschaft [Hier klicken]

  • Gute Planung: Alles steht und fällt mit guter Planung. Schon einige Tage vor der nächsten Kochwoche notiere ich mir auf einem Zettel, an welchen Tagen ich regulär kochen kann oder welche Termine (privat und beruflich) mich davon abhalten werden, so dass eine Alternative gefordert ist. Diese Alternativen sind: Mann kocht, Kind kocht, keiner kocht und es gibt Reste oder ein Sandwich oder es werden eingefrorene Mahlzeiten oder Bestandteile einer Mahlzeit aufgetaut. Oder wir gehen aus.
  • Wochenplan: Auf dem gleichen Zettel entsteht dann auch mein Wochenplan. Ich trage passende Gerichte an den einzelnen Wochentagen ein, die ich kochen werde. Dabei berücksichtige ich, was noch an frischen Produkten vorhanden ist und verbraucht werden soll, unsere Vorlieben und Gelüste und natürlich auch, was an diesem Tag realistisch ist. Es macht einen großen Unterschied, ob ich um 17 oder um 18 Uhr anfangen kann. Wir essen meistens um 19 Uhr. Routinen erleichtern den Alltag! Und beim Wochenplan achte ich auf eine ausgewogene Verteilung der Zutaten, also Mahlzeiten mit und ohne Fleisch, Fisch, rein pflanzlich, immer Hülsenfrüchte und die maximal mögliche Varianz an saisonalen Gemüsen und Kräutern. Neben diesen Abendmahlzeiten plane ich noch ein oder zwei besondere Frühstücke für das Wochenende ein, außerdem Brot oder Kuchen, wenn ich die Zeit finde zu backen. Frühstück und Mittagessen werden spontan zusammengestellt, dafür ist stets genug im Haus.
  • Ein Einkaufstag pro Woche: Einmal pro Woche gehe ich einkaufen und besorge alles für die kommende Woche. Ein oder zweimal im Jahr gehe ich in Spezialgeschäfte und decke mich mit Vorräten ein (Asialaden, türkischer Laden, persischer Laden, Feinkostladen, Gewürzladen u.a.). Wann immer wir auf Märkten sind, halte ich ebenfalls Ausschau nach Lebensmitteln besonders guter Qualität und decke mich damit ein. Nur einmal pro Woche einzukaufen reduziert Spontankäufe und verhindert Lebensmittelverschwendung, außerdem kommt über die Jahre wirklich viel Lebenszeit zusammen, die man nicht im Geschäft verbracht hat. Wer möchte schon später zurückschauen und sagen, dass die Stunden bei Edeka immer besonders erfüllend waren?
  • Restetag: Das muss einfach sein. Einmal pro Woche an einem festen Tag ist Restetag. Dieser wird erst am Abend vorher geplant, denn ich inspiziere dafür den Kühlschrank und entscheide dann erst, was ich mit den übrig gebliebenen Lebensmitteln veranstalten kann. Gestern fand ich: ein Viertel Spitzkohl, ein Viertel Wirsing, fünf Kartoffeln, eine Möhre, drei Knoblauchzehen, drei Zweige Rosmarin, eine Stange Lauch, etwas geriebenen Parmesan und ein paar Stängel glatte Petersilie. Das waren die Lebensmittel, die im Laufe der vorherigen Woche übriggeblieben waren und die ich verkochen wollte. Aus dem Vorrat nahm ich noch hinzu: Olivenöl, Tomatenmark, Gemüsepaste, ein großes Glas weiße Bohnen, Salz, Pfeffer und eine Handvoll eingefrorene Parmesanrinden. Und schon gab es eine köstliche Minestrone! Diese war so reichlich, dass wir am nächsten Mittag nochmals davon essen konnten. Wenn der Kühlschrank dann schön leer ist, freue ich mich und kaufe am nächsten Tag mit gutem Gewissen neu ein.
  • Küchentag: Einmal im Monat (so ungefähr) lege ich einen Küchentag ein und stelle Vorräte selbst her: Gemüsepaste, Brote, Brühen, Fonds, Salatsaucen, Fermentiertes und Eingelegtes, Gewürzpasten, Marmeladen und Aufstriche, Kekse, Kuchen und andere Dinge. So erspare ich uns das Gruselkabinett der Lebensmittelindustrie. Im Sommer und Herbst kommen noch zusätzliche Küchenstunden hinzu, wenn ich im Garten oder in der Natur Lebensmittel gesammelt habe und diese verarbeitet werden müssen. Für mich ist das Entspannung.
  • Lebensmittelinventur: Einmal im Jahr (kann man auch zweimal im Jahr machen) alle Lebensmittel durchsehen und Abgelaufenes und bald Ablaufendes in einen Korb geben, diesen sichtbar aufstellen und baldmöglich gezielt wegkochen. Für gekühlte Waren eine „Zu verbrauchen“-Liste erstellen. Verhindert Lebensmittelverschwendung!
  • Meal Prepping: Mit dem Trend, für die ganze Woche komplett vorzukochen, kann ich nicht viel anfangen. Ich möchte kein Pastagericht essen, das schon seit fünf Tagen im Kühlschrank steht. Allerdings nutze ich manchmal ein unerwartet freies Stündchen, um ein paar Handgriffe zu erledigen, die mir an den nächsten Tagen das Kochen erleichtern: Parmesan reiben und in ein Glas füllen, Hülsenfrüchte vorkochen, kalte Saucen anrühren, und ähnliches. Wenn ich am nächsten Tag nicht viel Zeit habe, dann schnippele ich das Gemüse am Abend vorher und stelle es kalt. Was ich aber gezielt vorkoche, sind Schmorgerichte, Currys und manche Suppen. Diese bereite ich stets in größeren Mengen zu und friere sie in der Größe ein, dass wir damit eine komplette Mahlzeit gestalten können. Dann brauche ich nach einem Arbeitstag nur noch eine Beilage und Salat zubereiten.
  • Immer schon die nächsten Mahlzeiten im Blick behalten: Wenn ich koche, dann schaue ich bereits auf die Mahlzeiten für morgen und übermorgen. Muss ich etwas auftauen oder einweichen? Muss etwas aus dem Kühlschrank genommen werden, damit es Zimmertemperatur annimmt? Diese Aspekte behalte ich im Blick und wenn das zu einer Gewohnheit geworden ist, dann erleichtert es das Leben gewaltig. Dafür ist es einfach hilfreich, wenn der Wochenplan direkt vor meiner Nase hängt, und zwar dort, wo ich mein Gemüse schneide.
  • Ein Rezeptrepertoire für den Alltag: Vielen Menschen fällt es schwer realistisch einzuschätzen, wie lange sie für die Zubereitung einer kompletten Mahlzeit benötigen. Dann ist die Frustration groß, wenn man sich mit Enthusiasmus nach der Arbeit noch in die Küche stellt und aus den angenommenen 30 Minuten Kochzeit sind 90 Minuten geworden. Kein Wunder, dass der Griff zur Tiefkühlpizza beim nächsten Einkauf wieder erfolgt. Daher ist es sinnvoll, für jeden Monat (Saisonalität!) ein paar Rezepte griffbereit zu haben, die wirklich in 30 Minuten oder weniger zubereitet sind und alle Anforderungen an ein schönes Alltagsessen voll erfüllen. Es ist sinnvoll, die eigenen Lieblingsrezepte tatsächlich aufzuschreiben und für jedes Rezept, wo immer möglich, saisonale Gemüsevarianten einzuplanen. Dann kann die Lieblings-One Pot-Pasta der Familie nicht nur im Sommer mit Auberginen zubereitet werden, sondern auch im Winter mit geschmortem Wirsing. Weitere Anregungen für schnelle Alltagsküche findet Ihr in meinen Kochkursen der Reihe „Frühlingsgemüse“ bis „Wintergemüse“.
  • Eine zentrale Rolle für eine abfallarme, minimalistische und frugale Küchenwirtschaft spielen Tücher, Lappen und Lumpen. Auch wenn es banal klingt: Küchenhandtücher gehören zu den wichtigsten Utensilien in einer Küche und es ist wichtig, dass sie nicht alle gleich aussehen, damit man diese unterscheiden kann. In meiner Küche hängt immer ein Frotteehandtuch zum Abtrocknen der Hände, ein Küchenhandtuch zum Abtrocknen des Geschirrs, eines für Obst und Gemüse und ein Wischtuch. Außerdem hängt an meiner Spüle ein Frotteelappen, mit dem ich spüle und meine Flächen wische. Nach dem Abendessen kommen das Händehandtuch, das Wischtuch und der Spüllappen in die Wäsche. Aus dem Geschirrhandtuch wird das Wischtuch des nächsten Tages. So gibt es einen täglichen Kreislauf der Tücher und Lappen, was Hygiene und Praktikabilität sicherstellt. Die übrigen Tücher werden nach Bedarf gewechselt. Außerdem gibt es ein großes verschließbares Glas mit Lumpen, mit denen ich Dinge abtrockne oder wegwische, die danach entsorgt werden. Die Lumpen habe ich aus zerschlissener Bettwäsche zurechtgeschnitten; diese ist zuvor natürlich auf sehr hoher Temperatur mitgewaschen worden. So benötige ich keine Küchenrolle und dieses Sortiment ist einfach sehr praktisch.

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