
Als junge Frau war ich häufig frustriert, dass modische Kleidungsstücke an mir blöd aussahen, weil ich immer rundlicher war als die meisten anderen. Es hat viele Jahre gedauert, bis ich meinen eigenen Stil gefunden habe. Das klingt allerdings jetzt vielversprechender als ich es meine, denn offen gesagt interessiert mich Mode überhaupt nicht. Wenn es gesellschaftlich nicht ausgrenzend wäre, würde ich nur im Schlafanzug herumlaufen.
Durch berufliche Tätigkeiten muss man sich gewissen Dresscodes unterwerfen. Ich hatte Glück, denn an meinem Arbeitsort Universität gibt es nur wenige Dinge, die als inakzeptabel gelten. Dann fällt man auch nicht so auf, wenn man eher gedankenlos gekleidet ist, was auf mich zumindest heute zutrifft. Weil ich vor einigen Jahren beschlossen habe, meine Garderobe drastisch zu reduzieren, beschränke ich mich auf einige wenige Farben. Im Winter trage ich fast nur schwarz, im Sommer auch hellere Farben. Ansonsten entscheide ich nur nach meinem Geschmack. Und der ist eher schlicht, andere würden sagen langweilig.
Sehr wichtig ist mir das Material der Kleidung. Ich trage nur Baumwolle, Wolle, Leinen und andere Naturmaterialien. Kunstfasern und Mischfasern trage ich nicht, weil ich sie als unangenehm auf der Haut empfinde, außerdem möchte ich nicht noch mehr Kunststoffe emittieren. Dass Baumwolle kein ökologisch einwandfreies Material ist, ist mir natürlich bekannt, ich finde es derzeit aber noch schwierig zu ersetzen. In einigen Kleidungsstücken akzeptiere ich den kleinen Anteil Elasthan, der diese Stücke besonders bequem macht.
Seit ich meine Kleidung drastisch reduziert habe, empfinde ich mein Leben als deutlich stressreduzierter. Es gibt keine morgendlichen Szenen vor einem übervollen Kleiderschrank mehr, wo ich dann doch nichts gefunden habe, was ich anziehen wollte. Ich schätze diese Einfachheit und Ruhe.
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- Die Anzahl meiner Kleidungsstücke ist beschränkt. Ich habe eine begrenzte Anzahl an Kleiderbügeln für Oberteile (Blusen und Shirts), die Bügel geben die Anzahl der Stücke vor. Außerdem habe ich zwei Jacketts für die Arbeit, acht Sommerkleider (die ich selten trage und die zum Teil Jahrzehnte alt sind), sechs Hosen, vier Strickjacken, fünf Pullover und Wäsche. Außerdem zwei Mäntel und eine olle Jacke für den Garten und Wanderungen.
- Ich besitze 8 Paar Schuhe (verschiedene Typen). Wenn diese zerschlissen sind, gibt es ein Paar neue.
- Mäntel und Oberteile kaufe ich meist second hand; Wäsche, Hosen, Schuhe und Strickwaren immer neu.
- Schmuck trage ich kaum, ich habe nur einige wenige Stücke, die ich jedoch selten trage.
- Ich habe einige wenige Schals, eine Mütze, einen Sonnenhut, zwei Badeanzüge. Das reicht, mehr benötige ich nicht.
- Ich kenne die Marken, die für meinen Körper den besten Schnitt haben und orientiere mich häufig (nicht immer) daran, aber nur ohne sichtbares Label.
- Wenn ich Socken brauche, dann kaufe ich stets zehn Paar gleiche Modelle in derselben Farbe (schwarz). Alle sind miteinander kombinierbar und wenn eine Socke kaputt geht, dann kann ich die Einzelsocke mit einer anderen Einzelsocke zu einem neuen Paar zusammenführen. Die kaputte Socke wandert in die Lumpensammlung, bestes Kloreinigungstuch!
- Fast alles wird getragen, bis es zerschlissen ist, dann wandert das Stück in die häusliche Lumpensammlung (zum Putzen, für die Werkstatt meines Mannes u.ä.).
- Sollte es doch einmal einen Fehlkauf geben oder ein noch gut erhaltenes Stück, das ich gar nicht mehr mag, dann verkaufe ich dieses Teil. Wenn das nicht gelingt, verschenke ich es oder spende es dem örtlichen Second Hand-Kaufhaus. Entsorgung über Altkleidercontainer vermeide ich, die dahinterstehenden Praktiken sind mir zu dubios.
- Da ich Shoppingtouren verabscheue, kaufe ich mehr online als im Geschäft. Online kann ich gezielter nach dem suchen, was ich brauche bzw. möchte. Das ist schade, weil ich eigentlich gerne Einzelhandelsgeschäfte unterstütze, aber ich kenne leider kein einziges Geschäft in meinem Umfeld, wo meine Bedürfnisse erfüllt werden.
- Mein kleiner Schrank ist schön übersichtlich, alles passt gut hinein, nichts wird gestopft.
- Kleinere Reparaturen übernehme ich selbst, trotz sehr bescheidener Nähfertigkeiten. Änderungen überlasse ich der örtlichen Schneiderei.
- Ich achte sehr auf die Passform. Zu lange oder kurze Hosen, zu lange Ärmel bei Mänteln und Jacken sehen fürchterlich aus, daher gebe ich mir viel Mühe, dass die Kleidungsstücke gut sitzen. Das ist nicht einfach, denn die Bekleidungsindustrie behandelt voluminöse Frauenkörper entweder als vergrößerten schlanken Körper (was nicht zutrifft) oder als Objekt, welches in einem Hauszelt versteckt werden muss.
- Wenn ich nach Hause komme, ziehe ich mich immer um, seit Jahrzehnten. Zuhause trage ich Hausklamotten, das ist bei mir eine eigene Kategorie im Kleiderschrank. Ich habe immer zwei bis drei sehr bequeme Hosen (Yogamodelle oder Jogginghosen), einige ausrangierte Shirts und zwei bis drei ausrangierte Strickjacken. Es sind Sachen, die ich in der Öffentlichkeit nicht mehr tragen würde, weil sie Flecken oder kleine Beschädigungen haben. Mein Standardoutfit im Haus ist nicht elegant, aber gemütlich und praktisch. Da ich zuhause meistens in Küche und Garten beschäftigt bin, muss es Kleidung sein, die schmutzig werden darf. Wenn jemand spontan klingelt, muss er oder sie den Anblick aushalten.
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