Weniger Müll, mehr Leben

Foodsaving – die Feigenmarmelade

Mai 2026

In meinem Inventurkorb in der Küche, in dem die bereits abgelaufenen Lebensmittel liegen, befand sich eine noch geschlossene Tüte mit getrockneten Feigen. Ein Verwandter hatte mir diese bei einem Besuch aus Teheran mitgebracht und wir hatten sie nicht gegessen. Als sie mir bei der Inventur meiner Vorräte in die Hände kam, war schon erkennbar, dass die Feigen verdammt trocken waren und ganz sicher kein genussvolles Verspeisen versprachen. Ich habe eine Weile überlegt, was ich mit ihnen machen könnte. Wegwerfen kam nicht in Frage, da packt mich dann der Ehrgeiz. Die Trockenfrüchte waren tatsächlich dermaßen trocken, dass sie weder für einen Kuchen noch für einen Salat in Frage kamen, was sonst immer eine gute Verwertung darstellt. Da ich gerne Ziegenfrischkäse oder feine Weichkäse mit einer süßen Komponente kombiniere, habe ich mich für eine Feigenmarmelade entschieden. Dazu habe ich die knochenharten Feigen (es waren knapp 700 g) zunächst halbiert und entstielt und habe diese dann mit einem Rest Rotwein, der im Kühlschrank auf Verwendung wartete und ein wenig Wasser eingeweicht, und zwar volle zwei Tage, bis die Feigen endlich weich waren. Mit 250 g Gelierzucker, 2 TL Thymian und reichlich Zitronenschale habe ich die Früchte einige Minuten gekocht, dabei fleißig gerührt, damit nichts anbrennt, püriert und anschließend in kleine Gläser gefüllt, fünf insgesamt. Dann noch mit Etiketten (aus Altpapier und ein wenig Tesafilm) versehen und fertig war mein Vorrat an Feigenmarmelade für das nächste Jahr. Die Marmelade ist auch ein prima Geschenk für Käsefreund*innen. Ich habe schon ein klein wenig probiert, sie ist köstlich.

Warum schreibe ich hier über diesen banalen Vorgang? Diese Feigen sind einmal um die halbe Welt geflogen, um dann bei mir zu landen. Menschen haben sie angebaut, geerntet, getrocknet und verpackt. Die Kunststofftüte ist ein Produkt aus Erdöl, dessen Förderung und Verarbeitung nicht nur hohe ökologische Kosten verursacht, sondern auch einen hohen politischen Preis kostet. Mit meinem Rotweinrest ist es ähnlich. Der Wein kam aus Frankreich (habe ich geschenkt bekommen), auch dieser und seine Verpackung, also die Glasflasche, sind mit viel Aufwand und Ressourcen entstanden und zu mir gekommen. Genauso der Thymian (Herkunft unbekannt), die Bio-Zitrone aus Italien, der Gelierzucker aus Jülich in der Papierverpackung, die wiederum aus Holz gewonnen wird. Wenn man sich vor Augen führt, wie hoch der Aufwand für jedes einzelne Produkt ist und sich bewusst macht, wie gedankenlos wir häufig mit Lebensmitteln umgehen, so ist diese Diskrepanz erschütternd.

Meine Konsequenz ist daher: Alles wird verarbeitet, alles ist wertvoll. Am Beispiel der Feigenmarmelade möchte ich zeigen, dass Lebensmittelverschwendung fast immer vermeidbar ist; man muss wollen. Schöne Nebeneffekte: Genuss einer ungewöhnlichen Marmelade, besondere Geschenkidee, Geld gespart, Selbstwirksamkeit gestärkt und vieles mehr.


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