
Immer wieder koche ich in fremden Küchen oder halte mich dort auf und schaue mich um. Natürlich halte ich meinen Mund und belehre andere Menschen nicht, wie sie ihre Küche organisieren sollen. Es sei denn, ich werde explizit danach gefragt, dann gibt es kein Halten. Ich befürchte, ich zeige dann missionarischen Eifer. Das ist vielleicht ein bisschen übergriffig, aber ich brenne halt für dieses Thema. Leute, zeigt mir Eure Küchen und ich sage Euch, was Ihr besser machen könnt!
Hier einige Empfehlungen für unerschrockene Küchen-Neuorganisator*innen [Hier anklicken]
- Freie Küchenarbeitsfläche: Eine weitgehend leere Küchenarbeitsplatte ist das ultimative Element eines funktionalen Küchenbetriebs. Wer alles vollstehen hat, kann nicht arbeiten. Bei mir stehen nur: ein Utensilo mit Besteck und Kochlöffeln, die Kompostschüssel, der schwere Mörser und mein kleiner Restmüllbehälter. Wer eine freie und blitzsaubere Arbeitsfläche vorfindet, stellt sich nach einem langen Arbeitstag motivierter in die Küche.
- Getrennte Bereiche für Vorbereitung und Zubereitung: In einem Bereich wird geschnippelt und vorbereitet. Neben dem Herd werden dann die vorbereiteten Zutaten abgestellt. Dort ist die Zubereitungszone.
- Hygiene: Freie Flächen erleichtern die Küchenhygiene. Die Küchenarbeitsfläche, Herd und Spülbecken müssen täglich gereinigt werden, denn durch Obst und Gemüse, tierische Produkte und die permanente Anwesenheit von Feuchtigkeit ist die Küche ein Ort, der zur Keimbildung einlädt. Aber bitte keine Desinfektionsmittel benutzen; das sind Biozide, die uns Menschen außerhalb von Krankenhäusern und Arztpraxen mehr schaden als nutzen! Kernseife und Essigessenz reichen völlig aus. Das Wichtigste ist der tägliche Austausch des Spüllappens. Menschen, die diesen (oder die beliebten Plastikschwämme) länger nutzen, haben nicht vor Augen, wie viele Bakterien sich darin anhäufen. Bitte mal nachlesen.
- Kurze Wege: Idealerweise sind in einer funktionalen Küche Kühlschrank, Herd und Spülbecken in einem Dreieck angeordnet und der Vorbereitungsbereich liegt innerhalb dieses Dreiecks. Grundsätzlich sollte man beim Entwurf der Küche und beim Anordnen des Inventars darauf achten, dass Dinge dort stehen, wo sie besonders häufig verwendet werden; das hält die Wege kurz.
- Griffbereitschaft der Werkzeuge: Werkzeuge sollten griffbereit stehen bzw. hängen, wenn sie täglich genutzt werden; idealerweise oberhalb der Vorbereitungszone. Was ab und an gebraucht wird, kann in eine Schublade. Geräte, die nur selten gebraucht werden, können gut in einem alternativen Raum lagern, sollten dort aber griffbereit stehen und keinesfalls verbuddelt werden. Die Eismaschine im Karton auf dem höchsten Regalbrett im Keller wird niemand jemals benutzen.
- Licht: Gutes Licht über allen Arbeitsbereichen ist sehr wichtig und je älter man wird, desto heller sollte es sein. Damit es auch gemütlich ist, auf warmes Licht achten.
- Mise en place: Mir ist ein Rätsel, warum nicht alle Menschen so kochen wie Profis das tun. Mise ein place bedeutet, dass alles Erforderliche an seinen Platz gestellt wird. Konkret heißt das, bevor ich den Herd anstelle, hole ich alle Werkzeuge und alle Zutaten hervor, stelle diese am Herd bereit und bereite alle Einzelschritte vor, bevor ich mit der Arbeit am Herd loslege. Alle Gemüse werden geschnitten, Kräuter gewaschen, getrocknet und zum Schneiden kurz vor ihrem Einsatz bereitgelegt. Saucen und Pasten werden angerührt, Fleisch pariert und zugeschnitten. Erst wenn alles in Schüsseln und Schalen am Herd bereitsteht, beginnt der Kochprozess. Auch wenn es nicht so aussieht: Struktur beim Kochen spart Zeit!
- Kücheninfos sichtbar: Der Wochenplan, die nächste Einkaufsliste und die Inventarliste des Tiefkühlbereichs müssen gut sichtbar in der Küche platziert sein. Ideal ist die Zubereitungszone, denn dann habe ich die Mahlzeiten der nächsten Tage stets im Blick und kann kleinere Vorbereitungen treffen (z.B. Tiefgekühltes rechtzeitig herausholen).
- Der Endgegner einer guten Küchenwirtschaft ist die übervolle Küche. Wenn ich Dinge nur dann aus der Schublade oder dem Küchenschrank holen kann, wenn ich die Sachen darüber oder davor ausräumen muss, dann ist es zu voll. Alle Gegenstände sollten mit einer Hand oder zwei Händen direkt greifbar sein. Man braucht nicht allzu viele Dinge in der Küche, bei Bedarf also ausmisten.
Schreibe einen Kommentar